Rund um die Erde ... mit Gabriele und Herbert Hösler aus Köthen

Deutschland-Schweiz-Frankreich

(Reisezeitraum: 26.05.26 - 06.06.26)



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Besuch von Stuttgart und Reutlingen (26.05.26)
Unsere 1. Station war am Rande von Stuttgart, wo wir im Kulinarium an der Glems übernachtet haben. Bevor wir unsere Unterkunft gegen 14.30 Uhr aufgesucht haben, sind wir zum Schloss Solitude gefahren. Schloss Solitude ist eines der eindrucksvollsten Lust- und Jagdschlösser in Baden Württemberg, hoch über Stuttgart gelegen. Es wurde 1763-1769 unter Herzog Carl Eugen von Württemberg erbaut. Durch die exponierte Lage auf einem Höhenrücken bietet das Schloss eine der schönsten Aussichten rund um Stuttgart. Das Schloss verfügt über geschwungene Fassaden, einen zentraler Kuppelbau und großzügige Außenanlagen.

Bevor wir unser Quartier aufsuchten, haben wir noch einen längeren Spaziergang zum Bärenschlösschen Stuttgart, meist Bärenschlössle genannt, unternommen. Es ist eines der beliebtesten Ausflugsziele im Stuttgarter Rot- und Schwarzwildpark. Das Bärenschlössle war ursprünglich ein Lustschloss von Herzog Carl Eugen und steht heute als Restaurant am Bärensee. Es liegt mitten im Wald, umgeben von einer Kette aus drei Stauseen (Bärensee, Neuer See, Pfaffensee), die zu den schönsten Spazierwegen im Großraum Stuttgart gehören.

Das neue Museum in Reutlingen ist ein spektakulärer Neubau, der mit einer Fassade aus gläsernen Biberschwanz-Schindeln verkleidet ist. Je nach Licht wirkt er matt, schimmernd oder durchsichtig – das Holztragwerk dahinter zeichnet sich schemenhaft ab. Im Stadtkern von Reutlingen existieren noch viele kleine Geschäfte mit einem ansprechendem Angebot.

Der Handwerkerbrunnen in Reutlingen ist in Wirklichkeit der Zunftbrunnen, ein kunstvoll gestalteter Brunnen, der die historischen Reutlinger Handwerkszünfte zeigt. Er gehört zu den markantesten Denkmälern der Altstadt und steht nur wenige Schritte vom Marktplatz entfernt. Der Brunnen zeigt zwölf kleine Bronzefiguren, die typische Reutlinger Handwerksberufe verkörpern, jene Zünfte, die ab etwa 1500 die wirtschaftliche und politische Macht der Stadt prägten.
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Rheinfälle bei Schaffhausen - Moos am Bodensee (27.05.26)
Auf der Fahrt zum „Hotel Schiff“, wo wir zwei Nächte gebucht hatten, fuhren wir zum Rheinfall von Schaffhausen, dem größten Wasserfall Europas und ein Naturerlebnis, das durch seine Wucht, Breite und die Nähe, aus der man das Wasser erleben kann, beeindruckt. Auf rund 150 m Breite stürzen die Wassermassen etwa 23 m in die Tiefe. Wieviel Wasser, zeigt die Tabelle. Das Schloss Laufen bietet kostenpflichtige Aufzüge und barrierearme Wege. Die Aussichts-Plattformen am Südufer ermöglichen sehr nah am tosenden Wasser zu sein. Die Zugänge zum Flussufer sind trittsicher gebaut. Man muss aufpassen, das beim Fotografieren keine Wasserspritzer das Objektiv der Kamera treffen. Am Rheinfall kann man auch mit dem Boot fahren und das gehört sogar zu den beliebtesten Erlebnissen vor Ort. Mehrere Anbieter bringen die Fahrgäste bis auf wenige Meter an die tosenden Wassermassen heran. Die Fahrt dauert ca. 15 Minuten. Wir haben diesen Aufwand nicht betrieben, sondern sind mit dem Fahrstuhl wieder nach Laufen hochgefahren und haben im naheliegenden Schloss-Hotel auf der Terrasse ein Stück Kuchen aus dem reichhaltigen Angebot gegessen.

Wir trafen am Nachmittag im Gasthaus Schiff in Moos ein. Das Gasthaus ist ein sehr gut bewertetes, traditionsreiches Haus direkt am Untersee mit Restaurant, großem Garten, Café und großem Biergarten unmittelbar am Wasser. Das Doppelzimmer kostete 135 EURO / Nacht. In diesem Preis ist ein sehr gutes Frühstück enthalten. Die reichlichen Parkplätze sind kostenlos. Die zwei gebuchten Nächte verliefen störungsfrei. Nach einem guten Kaffee erkundeten wir die nähere Umgebung, ruhten uns aus und nahmen gegen 19.00 Uhr das schmackhafte Abendessen ein.
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Rundfahrt um den Bodensee (Pfahlbauten von Unteruhldingen) (28.05.26)
Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes am Bodensee unternahmen wir eine Rundfahrt um dieses Gewässer. Der Bodensee ist eines der größten Binnengewässer Mitteleuropas. Er ist ca. 63 km lang und ca. 14 km breit. Seine tiefste Stelle misst 251,14 m. Die Fährverbindung Konstanz/Staad – Meersburg ist eine der wichtigsten und am dichtesten getakteten Linien am Bodensee. Wir haben sie genutzt um zuerst Meersburg zu erreichen. Da die Fähren tagsüber im 5‑ bis 15‑Minuten‑Rhythmus fahren, mussten wir nicht lange warten. Die Überfahrt dauert ca. 15 Minuten. Erwachsene zahlen 4,30 EURO (Hinfahrt). Für den Pkw zahlt man 11,00 EURO. Die Tickets erwirbt man an Bord.

Unsere erste Station waren die Pfahlbauten. Die Pfahlbauten von Unteruhldingen am Bodensee gehören zu den eindrucksvollsten archäologischen Freilichtmuseen Europas. Es handelt sich um 23 rekonstruierte Pfahlbauhäuser aus Stein- und Bronzezeit, die direkt über dem Wasser stehen und einen einzigartigen Einblick in das Leben vor 3.000–6.000 Jahren geben. Der Besuch des ältesten archäologischen Freilichtmuseums Deutschlands (gegründet 1922) lohnt sich. Erwachsene zahlen 9 € Eintritt. Die 23 rekonstruierten Häuser aus verschiedenen Epochen sind Wohnhäuser, Werkstätten, Ställe und Kultbauten. Man kann Spaziergang über Stege, die direkt über dem Bodensee angelegt sind, unternehmen.

Nach dem Besuch der Pfahlbauten setzten wir unsere Rundfahrt fort und fuhren über sehr schöne kleine Orte am Bodensee bis nach Bregenz. Hier parkten wir unser Auto in einer Tiefgarage und suchten ein Cafe auf, dass ein vorzügliches Kuchenangebot hatte.
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Von Stein am Rhein nach Moos /Schweiz) (29.05.26)
Das Tagesprogramm des nächsten Tages sah vor, den Ort Stein am Rhein aufzusuchen. Hier leben ca. 3770 Einwohner. Es ist eine kleine, historisch außergewöhnlich gut erhaltene Stadt im Kanton Schaffhausen, direkt dort, wo der Rhein den Bodensee verlässt. Die Altstadt von Stein am Rhein gilt als eine der schönsten der Schweiz. Hier kann man Fachwerkhäuser mit farbenprächtigen Fresken, viele aus dem 15.–16. Jahrhundert, betrachten. Stein am Rhein besitzt eine über 7000 Jahre alte Siedlungsgeschichte. Im 13. Jahrhundert entstanden Stadtmauern, Brücken und Marktrechte. An der Rheinpromenade befinden sich Cafés und der Schiffsverkehr Richtung Schaffhausen oder Bodensee. Wir unternahmen einen morgentlicher Spaziergang durch die historische Altstadt von Stein am Rhein, das mit div. Blumenschmuck ausgestattet ist. Ein Hingucker ist das hist. Rathaus der Stadt mit seinen Wandbildern.

Auf dem Weg zum Lötschtaltunnel, der zwischen Kandersteg (Bern) und Goppenstein (Wallis) liegt, legten wir eine Pause in einem niedlichen Landcafe, das am Rande einer kleinen Ortschaft liegt, ein und genossen den frisch zubereiteten Kuchen. Danach fuhren wir eine längere Strecke am Brienzer See entlang und bestaunten das blaue Wasser. Auf dem Weg zum Quartier in der Schweiz (im B&B Les Biolleys) durchfuhren wir mehrere, sehr gut ausgeleuchtete Tunnel. Ein interessantes Teilstück der Wegstrecke war die Passage durch den Lötschberg-Scheiteltunnel, der 1913 eröffnet wurde. Bis zu 3 000 Arbeiter gleichzeitig schufen die 14,6 km lange Stecke. Es ist ein einröhriger Doppelspurtunnel. Der Weg führt von Kandersteg nach Goppenstein. Die Auto-Züge fahren mit einer max. Geschwindigkeit von ca. 100 km/h. Die Fahrzeit beträgt ca. 15 Minuten. Die Züge fahren alle 15 bis 30 Minuten. Der Preis betrug  27.00 CHF. Man hatte zeitweise wunderschöne Aussichten auf die Berge und Täler. Nachdem wir den Autozug verlassen hatten, fuhren wir talabwärts in Richtung Sion. Die Straße ist links und rechts von Weinanlagen geprägt. Unsere Unterkunft- es war die qualitativ schlechteste der gesamten Reise- erreichten wir auf einer Serpentinenauffahrt durch mehrere kleine Ortschaften. Die kleinen Bergdörfer liegen in einer waldreichen Landschaft. Vom Eingang unseres Zimmers hatten wir den Blick auf das Matterhorn, das wir am nächsten Tag aus der Nähe betrachteten.
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Mit dem Zug von Täsch nach Zermatt zum Gornergrat (30.05.26)
Am nächsten Tag war unser Tagesziel die Fahrt mit der Gornergratbahn in Zermatt zur Bergstation, wo man den besten Blick auf das Matterhorn hat. Nach einem reichhaltigen Frühstück in unmittelbarer Nähe zu der Rinderherde, fuhren wir gegen 8.15 Uhr von unserem Quartier los. Bis Täsch waren es etwa 75 km. Ein Großteil der umliegenden Berghänge war mit Weinstöcken bepflanzt, die Straßen in einem sehr guten Zustand. In Täsch fuhren wir das größte Parkhaus an und suchten uns von den 3100 Parkplätzen einen noch freien Platz aus. Nur ca. 200 m entfernt befindet sich eine Kasse, wo man die Zugfahrt nach Zermatt (Hin- und Rückfahrt kostet pro Person CHF 17,20), buchen kann. Die Fahrzeit dauert ca. 12-13 Minuten. Mit einem Ticketcode kann man die Schranken auf dem Bahnsteig öffnen. Die im 20-Minuten-Takt fahrenden Züge sind mit bequemen Sitzen ausgestattet. Die Strecke von Täsch nach Zermatt ist elektrisch und zweigleisig betrieben. Die großen Panoramafenster ermöglichen einen guten Blick in die Landschaft. Der Weg zum Bahnhof der Gornergratbahn ist kurz, die Wartezeiten der Weiterfahrt ebenso.

Die Gornergratbahn ist eine der großen Pionierleistungen des alpinen Bahnwesens. Sie ist die erste voll elektrifizierte Zahnradbahn der Schweiz (1898) und älteste heute noch existierende elektrische Zahnradbahn der Welt. Sie verbindet Zermatt mit dem 3089 m hohen Gornergrat und erschloss erstmals eine hochalpine Welt für ein breites Publikum. Die Bauzeit betrug trotz extremer Höhenlage und kurzer Sommerperioden nur zwei Jahre (1896–1898). Bis zu 2400 Arbeiter waren im Einsatz. Auf 2700–3000 m Höhe sank die Leistungsfähigkeit teils auf die Hälfte. Die Spurweite beträgt 1000 mm. Die Gornergratbahn ist ein technisches Denkmal der frühen Elektrifizierung, eine Panoramabahn mit Blick auf über 20 Viertausender und eine der ikonischsten Bergbahnen der Alpen. Die Hin- und Rückfahrt kostet 132 CHF. Man kann an allen Haltestellen aus- und wieder einsteigen. Die Bergstation Gornergrat Bahn ist in Sicht. Wir stiegen aus und liefen zum legendären Kulmhotel Gornergrat, das auf 3100 m Höhe liegt. Es ist das höchstgelegene Hotel der Schweiz, direkt auf dem Grat. Von der Bergstation zum Hotel läuft man nur 3 Minuten. Von hier hat man einen Rundumblick auf das Matterhorn, Monte Rosa und den Gornergletscher. In der Nähe des Kulmhotels befindet sich eine historische Dokumentation über den Bau der Gornergratbahn. Diese haben wir uns mit Ehrfurcht angeschaut und sind dann bergab zum Alpengarten nach Rotenboden (2815 m hoch) gefahren. Das ist ein ruhiger Ort, an dem man alpine Pflanzen in ihrer natürlichen Umgebung betrachten kann. Zudem hat man einen fantastischen Blick zum Matterhorn. Man atmet „Gletscherluft“ und genießt die absoluter Weite in der Alpenregion. Von der Bergstation Rotenboden der Gornergratbahn sind es nur 5 Minuten zu Fuß. Auf markierten Wegen kann man sich die natürliche alpine Vegetation in aller Ruhe anschauen. Die Pflanzen wachsen in situ, also genau dort, wo sie natürlicherweise vorkommen.

Bevor wir wieder nach Zermatt zurückfuhren, widmeten wir uns fotografisch dem Matterhorn, dass oft als „Berg der Berge“ bezeichnet wird und als einer der meistfotografierten Berge der Welt gilt. Man muss längere Zeit den Fotopunkt suchen, wo sich das Matterhorn im Riffelsee spiegelt. Der beste Zeitpunkt war es nicht. Mit großartigen Eindrücken von der Schönheit der Bergwelt fuhren wir zum Nachmittag mit der Gornergratbahn wieder ins Tal nach Zermatt. Der Bahnhofsvorsteher gab freie Fahrt.
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Von Vex nach Vif in Frankreich (31.05.26)
Auf der Strecke von der Schweiz nach Frankreich war unsere Absicht, Barryland in Martigny zu besuchen. Das ist der einzige Themenpark weltweit, der dem Bernhardiner gewidmet ist. Leider waren wir zu früh vor Ort, sodass der Besuch ausfallen musste. So fuhren wir auf gut präparierten Straßen durch die Weinanlagen von Martigny. Der Grenzort zu Frankreich war schnell erreicht, kontrolliert wurde niemand. Unweit der Grenze von der Schweiz nach Frankreich ist auf der französischen Seite gleich eine Fleischerei und ein Bäcker präsent, wo wir uns Proviant besorgten. Albertville ist auf sehr gut präparierten Straßen und per Zug zu erreichen. Ein Holzschnitzer weckte mit seiner Ausstellung unsere Aufmerksamkeit. Die breiten, schattenspendenden Kronen der Platane sind in Frankreich typische Stadt und Alleebäume und gegenüber Hitze, Trockenheit und Luftverschmutzung robust.

Unsere Gastgeber waren auf unseren Besuch gut vorbereitet. Der Parkplatz lag gleich gegenüber unser Wohnung. Die großen Weideflächen wurden von mehreren Eseln kurz gehalten. Im Innenhof waren mehrere Sitzmöglichkeiten in schattiger Lage vorhanden). Unser Aufenthaltsraum lag direkt neben der Schlafstätte und dem Bad. Gegen 19.00 Uhr wurden wir zum Abendessen im Freien geladen. Ein Franzose und eine sehr intelligente Vietnamesin (Managerin), die in Frankreich lebt, waren unsere Tischnachbarn, die gut deutsch sprachen. Zum Start servierte uns die Gastgeberin einen sehr schmackhaften Fruchtsalat. Mit einem Glas Rotwein klang der laue Abend ohne Mückenstiche aus.
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Chateau de Vizelle und Grotte de Choranche (01.06.26)
Unser erstes Tagesziel am zweiten Tag in Vif war der Besuch des Chateau de Vizelle, das nur etwa 15 km südlich von Grenoble liegt. Das reichlich zubereitete Frühstück reichte für den gesamten Tag.

Dieses prachtvolle Schloss (Eintritt ist frei) ist die Wiege der Französischen Revolution. Es ist berühmt als Schauplatz der États Généraux du Dauphiné. Die États Généraux du Dauphiné waren die große politische Versammlung vom 21. Juli 1788 im Château de Vizille. Es war ein Ereignis, das unmittelbar den Weg zur Französischen Revolution öffnete. Rund 395 Vertreter der drei Stände des Dauphiné – Noblesse, Klerus, Tiers-État – versammelten sich ohne königliche Erlaubnis in diesem Schloss. Gastgeber war der Industrielle Claude Perier, der das Treffen bewusst außerhalb von Grenoble organisierte, da der König eine Versammlung in der Stadt verboten hatte. Die Versammlung folgte direkt auf einen Aufstand in Grenoble, bei dem Bürger Soldaten mit Dachziegeln vertrieben, ein früher revolutionärer Akt. Die Teilnehmer der Versammlung verlangten die sofortige Einberufung der nationalen États Généraux (für ganz Frankreich), die Zulassung von Bürgerlichen zu allen öffentlichen Ämtern, die Verweigerung der Steuerzahlungen, solange diese nicht von einer legitimen Volksvertretung beschlossen wurden und die Wiederherstellung der Parlements, die der König zuvor entmachtet hatte. Diese Veranstaltung war die erste große politische Mobilisierung gegen die absolutistische Monarchie. Sie setzte ein Signal an ganz Frankreich, dass Reformen nicht länger aufgeschoben werden konnten. Nur ein Jahr später folgten die Einberufung der États Généraux in Versailles, der Sturm auf die Bastille und der Beginn der Revolution.

Leider verhinderten umfangreiche Restaurierungsarbeiten unseren Besuch. Das Schloss war nicht geöffnet.

So unternahmen wir bei angenehmen Temperaturen einen Spaziergang durch den 100 Hektar großen Park, der von einer 7 km langen Mauer umschlossen ist. Der Park verfügt über einen See, Kanäle, Wald, Rosengarten, es und eine große Wildtierreserve, die ursprünglich das Jagdrevier des Herzogs von Lesdiguières war. Im Park stehen über 80 Baumarten. Das Wasser prägt die gesamte Parkarchitektur. Die weiten Rasenflächen am Kanal werden von Grau- und Kanadagänsen kurz gehalten.

Nach dem Besuch des Chateaus de Vizelle steuerten wir unser zweites Tagesziel, die Grotte de Choranche, an. Die Strecke betrug ca. 70 km. Die Straße führt durch eine Schlucht und bereitet zwei sich kreuzenden LkW`s einige Probleme. Die Felsüberhänge machen Teile der Straße sehr eng, für Personenkraftwagen bei gegenseitiger Rücksichtnahme kein Problem. Kurz vor der Grotte de Choranche kann man im Cobane Cafe verweilen und das Angebot genießen.

Nach dem Besuch des Cafes fuhren wir zu der naheliegenden Grotte de Choranche. Sie ist eine der beeindruckendsten Tropfsteinhöhlen Frankreichs. Die Höhle ist berühmt für ihre extrem feinen, nadelförmigen Stalaktiten ("Calcitröhrchen"), ihre unterirdischen Seen und Flüsse sowie die Kathedralenhalle mit einem modernen Sound‑&‑Light‑Spektakel. Sie zählt zu den schönsten Schauhöhlen Europas und empfängt jährlich über 100.000 Besucher. Der Parkplatz liegt direkt unterhalb der Felswände. Die Kasse befindet sich gleich daneben. Hier kann man in einem zugeordneten Cafe die schöne Landschaft des Vercors genießen. Vom Kassenbereich führt ein sorgfältig angelegter, hervorragend präparierter Fußweg bis zum Eingang der Höhle. Ein Abschnitt dieses Weges verläuft durch einen sanft beleuchteten Fußgängertunnel, dessen Licht die Felsstruktur dezent hervorhebt. Das überhängende Gestein entlang des Pfades ist durch feinmaschigen Draht zuverlässig gesichert. Am Höhleneingang wurden in die natürlichen Felswände präzise ausgearbeitete Ausstellungsnischen eingelassen, in denen ausgewählte prähistorische Fundstücke, stille Zeugen einer längst vergangenen Zeit, präsentiert werden. Bevor die eigentliche Besichtigung beginnt, besteht die Möglichkeit, ein Audiophon in der eigenen Landessprache auszuleihen, das den Rundgang mit einer einfühlsamen akustischen Begleitung bereichert. 1871 entdeckten Dorfbewohner während einer schweren Dürre dieses weitverzweigte Höhlensystem. Die erste systematische Erforschung folgte 1897, und seit 1967 ist diese außergewöhnlich schöne Höhle erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich.

Die rund einstündige Führung begleitet zwei unterirdische Wasserläufe und führt durch mächtige Hallen, deren Gewölbe sich bis über 15 Meter erheben. Besonders eindrucksvoll sind die filigranen Calcitröhrchen: Sie erreichen Längen von bis zu drei Metern, wachsen jedoch in einem Jahrhundert kaum fünf Zentimeter. In Europa findet man diese fragilen Röhrchen nirgendwo in vergleichbarer Dichte. Die Kathedralenhalle bildet den Höhepunkt des Rundgangs. Es ist eine gewaltige Naturhalle mit Deckenhöhen bis zu 25 Metern. In der Höhle herrschen konstante 10 °C, weshalb eine Jacke dringend empfohlen wird. Der Eintritt beträgt 15,20  EURO pro Person. In der Höhle werden Protees (Grottenolme) gezeigt. Das sind faszinierende, blinde Höhlensalamander. Es handelt sich um die einzige europäische Höhlenwirbeltierart, die dauerhaft im Dunkel unterirdischer Gewässer lebt. Diese Tiere behalten zeitlebens ihre äußeren Kiemen und entwickeln keine funktionstüchtigen Augen. Die Orientierung erfolgt über Tastsinn, Geruch und feine Sinneshaare. Sie können 70-100 Jahre alt werden. Meist sind sie 25–30 cm, selten bis 40 cm groß. Sie können mit sehr wenig Nahrung auskommen und sogar monatelang fasten. Sie gehören zu den seltensten Amphibien Europas und stehen unter strengem Schutz. Den Abschluss der Besichtigung bildet eine Lichterschau in der Kathedralenhalle.
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Von Vif nach Dore-L Eglise (02.06.26)
Der nächste Tag war dem Besuch einer Familie gewidmet, bei der wir bereits zweimal schon übernachtet haben. Patricia und Ludo haben uns nicht nur mit vorzüglichem Essen verwöhnt, sie sind auch unsere Freunde geworden. Mit beiden haben wir einen wunderschönen Abend bei gutem Wein und Essen verbracht. Die Anfahrt von Vif bis Dore-L’Eglise betrug etwa 240 km. Auf der Strecke lag die Überquerung der Rhone. Ein Teilstück führte durch die Ardeche und viele kleine gemütliche Orte. Ein kleines Cafe bot uns die Gelegenheit, dessen Angebot zu genießen.
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La Croix du Reh (03.06.26)
Unser nächstes Ziel war eine weitere Gastgeberfamilie, die uns schon einmal einen sehr guten Aufenthalt organisiert hat. Auf dem Weg zu diesem Quartier (La Croix du Reh) fuhren wir durch eine abwechslungsreiche Landschaft, die von fruchtbaren Feldern und Wiesen gekennzeichnet ist. Die Landschaft um Châteauneuf‑la‑Forêt heißt Montagne Limousine.

Unser erster Halt war das kleine Dorf Saurier in der Auvergne. Es ist ins enge Tal der Couze Pavin eingebettet und besitzt 269 Einwohner. Auffallend ist das Vulkangestein, mit dem die Häuser gebaut wurden und seine Brücke. Der dunkle Basalt, die hellen Fensterrahmen und kleinen Gassen sind typisch für die Auvergne. Der Fluss Couze Pavin schneidet sich tief ins Vulkangestein ein. Die mittelalterliche Bogenbrücke ist das Wahrzeichen des Dorfes, ein perfektes Fotomotiv und oft das Erste, was man als Besucher wahrnimmt.

Das Salersrind ist eine der ältesten und robustesten französischen Rinderrassen. Es ist mahagonirot, widerstandsfähig, berggängig und bekannt für hervorragende Muttereigenschaften sowie leichte Geburten. Es stammt aus dem Cantal im Zentralmassiv und wird heute vor allem als Fleischrind in der Mutterkuhhaltung genutzt. Ihr Haarkleid ist meist gelockt, auffallend lang. Kühe werden ca. 800 kg schwer, Bullen ca. 1050 kg. Diese Rasse verträgt starke Temperaturschwankungen (bis 25 °C Differenz) und hohe Niederschläge (1300–2000 l/m²). Sie sind sehr genügsam, haben einen geringen Futterbedarf bei guter Gewichtszunahme. In Frankreich leben über 200.000 Kühe. Sie sind eine der wichtigsten Rassen des Landes. Aus der Milch wird der Salers-Käse hergestellt, eine Käsesorte mit über 2000 Jahren Tradition.

Das Aubrac‑Rind ist eine extrem robuste, mittelrahmige französische Rinderrasse aus dem Massif Central, bekannt für Genügsamkeit, Leichtkalbigkeit und hervorragende Muttereigenschaften. Es ist eine der wirtschaftlichsten Fleischrassen Europas. Diese Rasse wurde bereits im Mittelalter von Benediktinermönchen gezüchtet. Heute leben ca. 200.000 Kühe in Frankreich. Die Hörner sind hell, nach außen und oben geschwungen und haben eine schwarze Spitze. Aubrac‑Rinder gelten als extrem widerstandsfähig. Sie haben eine hervorragende Genügsamkeit und Futterverwertung, sind ideal für karge Weiden. Sie sind sehr langlebig und gesund und haben von daher für die Besitzer geringe Tierarztkosten.

Unsere Gastgeberin Galja ist eine Russin, die mit einem Engländer in Frankreich lebt und ein sehr schönes Anwesen besitzt. Sie war vor 5 Jahren schon einmal unser Anlaufpunkt und hat uns mit einer sehr netten Art und viel Kochkunst damals überrascht. Das war der Grund, sie erneut aufzusuchen. Wir wurden warmherzig empfangen und bestens versorgt. Das reichhaltige Abendmenü, das Galja geboten hat, bleibt in bester Erinnerung.
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Haras national de Pompadour - Les Jardins de l’Imaginaire - Unterkunft in den Weinbergen (04.06.26)
Unser nächstes Quartier lag in den Weinbergen von Saint-Magne-de-Castillion. Die Wegstrecke betrug ca. 200 km. Wir hatten genug Zeit, um die Sehenswürdigkeiten auf diesem Weg zu betrachten. In Arnac Pompadour befindet sich das „Haras national de Pompadour“, das traditionsreichste staatliche Gestüt Frankreichs. Es wurde unter Louis XV. gegründet und ist bis heute das Zentrum der anglo arabischen Pferdezucht. Es verbindet ein mittelalterliches Schloss, historische Stallungen, eine nationale Jumenterie (Ort, an dem Stuten gehalten und gezüchtet werden) und eines der schönsten Hippodrome Frankreichs. Zum Gestüt gehören das Schloss Pompadour, das leider geschlossen war, Gärten, Stallungen der Marquise und der Orangerie. Dort stehen u. a. Sportpferde, Künstlerpferde und sogar ein Präsidentenpferd (Geschenk Algeriens an Frankreich). Das Hippodrome de Pompadour ist eine der schönsten Rennbahnen Frankreichs. Aus der Ferne waren Aktivitäten mit Pferden zu erkennen. Der Zugang war geschlossen.

Die Gärten « Les Jardins de l’Imaginaire » liegen im südwestlichen Frankreich im Ort Terrasson-Lavilledieu. Sie waren trotz starken Regens das Hauptziel des Tages. Der Eintritt kostete 8,50 EUURO pro Person. Wir waren aufgrund des Regens die einzigen Besucher der gepflegten Gärten. Die Anlage befindet sich oberhalb der Altstadt auf einem Hügel über der Vézère. Die Gärten sind ein groß gestaltetes Landschaftskunstwerk mit Wasserinstallationen, Terrassen, Baumhainen und symbolischen Gartenräumen.

Beim Kauf des Tickets erhält man einen Aufkleber, der den Besucher im Gelände legitimiert. Der Zugang zum Gartengelände ist mit einem Tor versehen. Es geht auf einem schattigen Weg leicht aufwärts. Größere Höhenunterschiede werden durch Stufen überwunden. Besonders eindrucksvoll sind die langen Wasserkanäle, die wie Linien durch die Landschaft ziehen. Ein Teil des Weges führt durch eine kraftvolle Baumarchitektur, wo die monumentalen Bäume und deren Stämme wie Säulen wirken. Hier spielen Licht und Schatten besonders schön. Von einigen Lichtungen hat mein einen Blick auf den Ort Terrasson-Lavilledieu.

Der Rosengarten ist an einem Hang angelegt und von künstlich angelegten Wasserflächen gesäumt.

Die Wasserspiele sind zeitlich limitiert. Die künstlich angelegten Kaskaden fließen ständig.

Im Garten « Les Jardins de l’Imaginaire » gibt es bei den heißen Temperaturen ausreichend Schattenplätze, wo man sich erholen kann. Die Wege sind trittsicher. Einem solchen außergewöhnlichen Belag mit Walnussschalen sind wir noch nie begegnet- eine perfekte Idee, Abfälle sinnvoll zu verwenden. Die Freiflächen sind mit blühenden Pflanzen dekoriert.
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Besuch von Bordeaux - Les Halles de Bacalan (05.06.26)
Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes, nur 52 km von Bordeaux entfernt, unternahmen wir einen Besuch dieser wunderschönen Stadt an der Garonne. Wir wählten die Anfahrt über die gut präparierte Landstraße. In das Zentrum von Bordeaux führen mehrere Brücken. In einem der Vororte von Bordeaux besuchten wir einen Supermarkt und staunten über das hochqualitative Angebot. In der herzhaften Küche Frankreichs spielen Nüsse oft zur Abrundung eine Rolle. Walnussöl über Salate, Ziegenkäse oder Endivien, Mandeln in Gemüsegerichten der Provence, Haselnüsse in Pasteten, Farcen oder als knusprige Garnitur, oder Pistazien in Terrinen und Wurstwaren. Frankreich liebt auch die Kombination aus Käse und Nüssen: Roquefort mit Walnüssen, Comté mit gerösteten Haselnüssen, Ziegenkäse mit Honig und Walnüssen oder Brie mit Mandeln oder Pistazien. In diesen Produkten dienen Nüsse als Kontrast zu Fett und Salz, ein kleines kulinarisches Kunststück.

Meeresfrüchte spielen in der französischen Küche eine zentrale Rolle. Sie prägen ganze Regionen, stehen für Frische, Handwerk und Geselligkeit und gehören zu den kulinarischen Symbolen Frankreichs. Von der Bretagne über die Normandie bis zur Provence werden sie als Ausdruck von Regionalität, Saisonalität und handwerklicher Tradition verstanden. Schon die Händler präsentieren ihre Ware ansprechend und mit verlockender Dekoration.

Der Botanische Garten von Bordeaux, der „Jardin Botanique de Bordeaux“, ist einer der modernsten botanischen Gärten Frankreichs. Der Teilgarten „Jardin aquatique“ ist 1.250 m² groß. Hier wird die Vegetation der ersten schwimmenden, tauchenden und kletternden Wasserpflanzen gezeigt.

Die Hubbrücke von Bordeaux, die Pont Jacques Chaban Delmas, ist eine der größten und modernsten Hubbrücken der Welt. Sie verbindet die Stadtteile Bacalan und Bastide, ermöglicht Kreuzfahrtschiffen die Einfahrt bis in die Altstadt und ist seit 2013 ein markantes Wahrzeichen der Stadt. Die mittlere Brückentafel wird hydraulisch angehoben. Im geöffneten Zustand ist die Brücke 53 m hoch. Die Länge beträgt 433 m. In nur drei Jahren (2009-2012) wurde die Brücke für 156,8 Mio. € gebaut. Sie wird von vier markanten Türmen getragen, die beim Anheben wie Leuchttürme wirken. Wenn man die Brücke überfahren hat, gelangt man rechtsseitig zum Weinmuseum La Cité du Vin. Es ist das internationale Kulturzentrum rund um Wein, Weinbau und Zivilisationen des Weins und gilt als eines der architektonischen Wahrzeichen der Stadt. Ein Besuch lohnt sich. Wir waren vor zwei Jahren in diesem Prachtbau. Unweit des Museums ist ein modernes Parkhaus und gleich nebenan das Les Halles de Bacalan. Die Halles de Bacalan sind einer der lebendigsten Feinschmeckerorte in Bordeaux, ein moderner, überdachter Markt gegenüber der Cité du Vin. Hier verbinden sich regionale Produkte, internationale Küche, Verkostungen, festliche Stimmung und das Handwerk leidenschaftlicher Produzenten. Es ist ein zeitgenössischer Markt, 2017 mit dem Ziel eröffnet, das Viertel Bacalan kulinarisch und kulturell zu beleben. Hier bieten Rund 20 bis 23 ausgewählte Händler und Gastronomen ihre Speisen an. Man stellt sich sein Menü standweise zusammen und speist an großen Gemeinschaftstischen.

Die Place de la Bourse ist einer der berühmtesten Plätze von Bordeaux. Es ist ein klassizistisches Gebäude-Ensemble aus dem 18. Jahrhundert. Der Platz wird durch zwei symmetrischen Gebäude ( Palais de la Bourse, heute Handelskammer) und das Hôtel des Douanes (heute Zollmuseum) gekennzeichnet. Er gilt als erste große „offene“ Platzanlage der französischen Stadtplanung und ist heute durch den Miroir d’eau weltbekannt. Seit 2006 ergänzt Miroir d’eau, das moderne Wahrzeichen von Bordeaux, diesen Platz. Es ist ein flaches Wasserbecken, das die Fassaden spektakulär spiegelt. Es ist zugleich das größte Wasser-Spiegelbecken der Welt und macht die Place de la Bourse zu einem der meistfotografierten Orte Frankreichs. Zwischen dem Place de la Bourse und der Garonne befindet sich ein breiter Streifen, der Ruhepunkte (Sitzmöglichkeiten) enthält und mit schönen Grünanlagen dekoriert ist. Auch Schattenflächen sind weitsichtig bei den hohen Temperaturen errichtet worden. Die Tiefe der Garonne ermöglicht sogar großen Kreuzfahrtschiffen die Fahrt bis Bordeaux.
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Besichtigung der Weinanbauregion rund um St. Emillion (06.06.26)
Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes im Weinanbaugebiet ,unweit von Bordeaux, unternehmen wir eine Fahrt zu sehenswerten Orten des Weinanbaus in dieser Region.Den Weingütern rund um St. Emillion geht es gut. Schon die Zugänge zu den Weinplantagen sind prachtvoll gestaltet. Auch qualitativ hochwertige Hotels haben sich in dieser Region angesiedelt. Wir hatten keine Chance, im Vorfeld dieses wunderschöne Hotel mit seinem Umfeld zu buchen. Es war ausgebucht.

Unser Hauptziel des Tagesausflugs war Saint Émilion, das rund 40 km östlich von Bordeaux liegt und in goldene Kalksteinfelsen und terrassierte Weinberge eingebettet ist. Die Stadt ist ein Labyrinth aus mittelalterlichen Gassen, romanischen Kirchen, Weinkellern und Aussichtspunkten über das Dordogne Tal. Sie ist eine der schönsten mittelalterlichen Weinorte Südwestfrankreichs, berühmt für seine UNESCO geschützten Weinlandschaften und die Jahrtausende alte Weinbaukultur. Bereits die Römer pflanzten hier im 2. Jahrhundert die ersten Reben. Die Weine sind bekannt für ihre Merlot Dominanz, ihre Eleganz und ihre lange Lagerfähigkeit. Die Stadt ist auf einem Hügel gebaut. Sie verfügt über Kopfsteinpflaster, steile Wege, kleine Plätze und fantastische Ausblicke über die Weinberge. Der Tour du Roy ist ein freistehender, quadratischer Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert. Er steht mitten im historischen Zentrum von Saint Émilion und wirkt durch seine massiven Kalksteinquader. Er ist der einzige vollständig erhaltene Donjon (Bergfried) der Region und diente im Mittelalter als Symbol der königlichen Macht. Der Baustil von Saint‑Émilion ist geprägt von einer außergewöhnlichen Mischung aus romanischer Architektur und mittelalterlicher Stadtstruktur. Der Kern der historischen Bauten in Saint‑Émilion ist romanisch mit Rundbögen, massiven Mauern und schlichten Fassaden geprägt. Man trifft auf enge Gassen, Parzellenstruktur und Häuserzeilen, die teilweise die Stadtmauer ersetzen. Stein- und Fachwerkstrukturen zeigen einen hohen Grad an handwerklicher Raffinesse im Alltag der mittelalterlichen Bewohner. Der Besuch von Saint Émilion hinterlässt im Blick auf die Geschäftskultur einen sehr guten Eindruck. Hier wird Geschäft nicht als hektische Transaktion verstanden, sondern als kulturell eingebettete, handwerklich geprägte Beziehungskultur. Saint Émilions Geschäftskultur setzt nicht auf schnelle Abschlüsse oder aggressive Vermarktung. Geschäft ist Teil der Identität, nicht bloß ein Marktmechanismus. Die engen Gassen, kleinen Plätze und handwerklichen Betriebe erzeugen ein Umfeld, in dem persönliche Begegnungen und direkte Gespräche wichtiger sind als anonyme Verkaufsprozesse. Das haben wir deutlich gespürt. Schade, dass man mit seinen Sprachdefiziten nicht an der Kommunikation teilnehmen konnte. In diesem wunderschönen Ort erlebt man Handwerk statt Massenmarkt. Die Region zählt über 900 Winzer, viele davon sind kleine Familienbetriebe, die ihre Produkte auf hohem Verkaufsniveau anbieten. Die Winzer nehmen sich Zeit für Gespräche, Erklärungen und Verkostungen. Dabei entsteht Vertrauen ohne Verkaufsdruck. Die Kauf-Entscheidungen entstehen aus Genuss und Vertrauen. Saint Émilion lebt von Verkostungen, Führungen, Gesprächen mit Winzern, kleinen Boutiquen, Klosterhöfen und seinen Terrassen. Die Jurade von Saint Émilion, das ist eine über 800 Jahre alte Bruderschaft, die die Weinqualität überwacht, den Beginn der Weinlese festlegt und weltweit als kultureller Botschafter der Saint Émilion Weine auftritt, verkündet jährlich das „Ban des Vendanges“. Das ist die feierliche Proklamation des Beginns der Weinlese, historisch ein verbindliches Verbot bzw. dessen Aufhebung, heute ein traditionsreiches Ereignis, das die Weinregion Saint Émilion öffentlich eröffnet. Hier wird Handwerk statt Industrialisierung demonstriert. Auf Empfehlung unserer Gastgeber in der Unterkunft, besuchten wir das Maison du Vin in Saint‑Émilion, das offizielle Weinhaus der Region. Das ist nicht ein einzelnes Weingut, sondern die gemeinsame Präsentationsplattform aller Winzer der Region. Es ist die zentrale Anlaufstelle, um alle Weine der vier Saint‑Émilion‑Regionen zu entdecken, zu probieren und direkt zu Erzeugerpreisen zu kaufen. Es ist ein Ort, der die gesamte Weinlandschaft repräsentiert. Hier findet man eine große Auswahl. Über 250 Crus (ein spezifisches Stück Land, eine Parzelle oder Lage mit besonderen Eigenschaften) und rund 450 Weinreferenzen aus der Region.

Wir besuchten auch das ehemalige Franziskanerkloster der Cordeliers in Saint Émilion (14.Jahrhundert), das heute als Weingut genutzt wird. Es heißt Cloître des Cordeliers. Es handelt sich um das frühere Gebäude mit den gotischen Ruinen, seinen Kreuzgang und die unterirdische Kalksteingalerien, die heute für die Herstellung von Crémant de Bordeaux genutzt werden. Crémant de Bordeaux ist ein französischer Schaumwein aus der Region Bordeaux, hergestellt nach der klassischen Flaschengärung, also demselben Verfahren wie beim Champagner. Er ist weiß oder rosé und stammt ausschließlich aus dem Bordeaux Gebiet. In der Oberstadt, unmittelbar hinter dem Maison du Vin, befindet sich die Église Collégiale de Saint‑Émilion, das religiöse Zentrum der Stadt.
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