Besichtigung der Weinanbauregion rund um St. Emillion (06.06.26)
Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes im Weinanbaugebiet ,unweit von Bordeaux, unternehmen wir eine Fahrt zu sehenswerten Orten des Weinanbaus in dieser Region.Den Weingütern rund um St. Emillion geht es gut. Schon die Zugänge zu den Weinplantagen sind prachtvoll gestaltet.
Auch qualitativ hochwertige Hotels haben sich in dieser Region angesiedelt. Wir hatten keine Chance, im Vorfeld dieses wunderschöne Hotel mit seinem Umfeld zu buchen. Es war ausgebucht.
Unser Hauptziel des Tagesausflugs war Saint Émilion, das rund 40 km östlich von Bordeaux liegt und in goldene Kalksteinfelsen und terrassierte Weinberge eingebettet ist. Die Stadt ist ein Labyrinth aus mittelalterlichen Gassen, romanischen Kirchen, Weinkellern und Aussichtspunkten über das Dordogne Tal. Sie ist eine der schönsten mittelalterlichen Weinorte Südwestfrankreichs, berühmt für seine UNESCO geschützten Weinlandschaften und die Jahrtausende alte Weinbaukultur. Bereits die Römer pflanzten hier im 2. Jahrhundert die ersten Reben. Die Weine sind bekannt für ihre Merlot Dominanz, ihre Eleganz und ihre lange Lagerfähigkeit. Die Stadt ist auf einem Hügel gebaut. Sie verfügt über Kopfsteinpflaster, steile Wege, kleine Plätze und fantastische Ausblicke über die Weinberge.
Der Tour du Roy ist ein freistehender, quadratischer Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert. Er steht mitten im historischen Zentrum von Saint Émilion und wirkt durch seine massiven Kalksteinquader. Er ist der einzige vollständig erhaltene Donjon (Bergfried) der Region und diente im Mittelalter als Symbol der königlichen Macht. Der Baustil von Saint‑Émilion ist geprägt von einer außergewöhnlichen Mischung aus romanischer Architektur und mittelalterlicher Stadtstruktur.
Der Kern der historischen Bauten in Saint‑Émilion ist romanisch mit Rundbögen, massiven Mauern und schlichten Fassaden geprägt.
Man trifft auf enge Gassen, Parzellenstruktur und Häuserzeilen, die teilweise die Stadtmauer ersetzen. Stein- und Fachwerkstrukturen zeigen einen hohen Grad an handwerklicher Raffinesse im Alltag der mittelalterlichen Bewohner.
Der Besuch von Saint Émilion hinterlässt im Blick auf die Geschäftskultur einen sehr guten Eindruck. Hier wird Geschäft nicht als hektische Transaktion verstanden, sondern als kulturell eingebettete, handwerklich geprägte Beziehungskultur. Saint Émilions Geschäftskultur setzt nicht auf schnelle Abschlüsse oder aggressive Vermarktung. Geschäft ist Teil der Identität, nicht bloß ein Marktmechanismus. Die engen Gassen, kleinen Plätze und handwerklichen Betriebe erzeugen ein Umfeld, in dem persönliche Begegnungen und direkte Gespräche wichtiger sind als anonyme Verkaufsprozesse. Das haben wir deutlich gespürt. Schade, dass man mit seinen Sprachdefiziten nicht an der Kommunikation teilnehmen konnte.
In diesem wunderschönen Ort erlebt man Handwerk statt Massenmarkt. Die Region zählt über 900 Winzer, viele davon sind kleine Familienbetriebe, die ihre Produkte auf hohem Verkaufsniveau anbieten. Die Winzer nehmen sich Zeit für Gespräche, Erklärungen und Verkostungen. Dabei entsteht Vertrauen ohne Verkaufsdruck. Die Kauf-Entscheidungen entstehen aus Genuss und Vertrauen.
Saint Émilion lebt von Verkostungen, Führungen, Gesprächen mit Winzern, kleinen Boutiquen, Klosterhöfen und seinen Terrassen.
Die Jurade von Saint Émilion, das ist eine über 800 Jahre alte Bruderschaft, die die Weinqualität überwacht, den Beginn der Weinlese festlegt und weltweit als kultureller Botschafter der Saint Émilion Weine auftritt, verkündet jährlich das Ban des Vendanges. Das ist die feierliche Proklamation des Beginns der Weinlese, historisch ein verbindliches Verbot bzw. dessen Aufhebung, heute ein traditionsreiches Ereignis, das die Weinregion Saint Émilion öffentlich eröffnet. Hier wird Handwerk statt Industrialisierung demonstriert.
Auf Empfehlung unserer Gastgeber in der Unterkunft, besuchten wir das Maison du Vin in Saint‑Émilion, das offizielle Weinhaus der Region. Das ist nicht ein einzelnes Weingut, sondern die gemeinsame Präsentationsplattform aller Winzer der Region. Es ist die zentrale Anlaufstelle, um alle Weine der vier Saint‑Émilion‑Regionen zu entdecken, zu probieren und direkt zu Erzeugerpreisen zu kaufen. Es ist ein Ort, der die gesamte Weinlandschaft repräsentiert. Hier findet man eine große Auswahl. Über 250 Crus (ein spezifisches Stück Land, eine Parzelle oder Lage mit besonderen Eigenschaften) und rund 450 Weinreferenzen aus der Region.
Wir besuchten auch das ehemalige Franziskanerkloster der Cordeliers in Saint Émilion (14.Jahrhundert), das heute als Weingut genutzt wird. Es heißt Cloître des Cordeliers. Es handelt sich um das frühere Gebäude mit den gotischen Ruinen, seinen Kreuzgang und die unterirdische Kalksteingalerien, die heute für die Herstellung von Crémant de Bordeaux genutzt werden. Crémant de Bordeaux ist ein französischer Schaumwein aus der Region Bordeaux, hergestellt nach der klassischen Flaschengärung, also demselben Verfahren wie beim Champagner. Er ist weiß oder rosé und stammt ausschließlich aus dem Bordeaux Gebiet.
In der Oberstadt, unmittelbar hinter dem Maison du Vin, befindet sich die Église Collégiale de Saint‑Émilion, das religiöse Zentrum der Stadt.
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